Dienstag, 27. Februar 2007

Texte


Um uns zu finden

Ich gehe die Straßen ab
Schau unter jeden Ast, dreh jeden Stein um

Jedes Blatt
Um uns zu finden

Ich gehe die Wände hoch
Öffne Verließe, lese verstaubte Briefe

Alte Bilder von dir
Um uns zu finden

Ich durchkämme die Wälder
Geh rauf zur ich Lichtung, wo wir standen

Suche dich im Mondlicht
Um uns zu finden

Du zeigst mir die Sterne
Ich erkläre dir mittlerweile die Planetenbahnen

Wir schlafen dabei ein
Um uns zu finden

Ich suche, ich suche und glaube daran
Ich glaube, ich glaube, dass ich mich erklären kann

Ich durchwühle die Worte
Ich studiere der Weisheit letzten Schluss

Glaub, dass Worte uns verbinden
Um uns zu finden

Les dieser Tage viel Tagebuch
Schöne Geschichtchen über dich und mich

Ich lese schon zwei Jahre lang
Um uns zu finden

Ich durchschneide den Neben
Zünde heute jede Kerze an

Sonn mich im Neonröhrenlicht
Um uns zu finden

Ich schreibe Gedichte, meditiere,
Sehe mich im Selbstversuch

Ich suche mich und flieh vor dir
Um uns zu finden

Ich glaube, ich glaube, ich glaube daran
Ich glaubte, ich glaube, dass ich mich erklären kann
Dass ich alles klären kann

Ich laufe die Straßen ab
Schau unter jeden Ast, dreh jeden Stein um

Jedes Blatt
Um uns zu finden


Unverwandt
(von Sarah Brockhausen)

1.

Ja auch ich erinnere Tage voll Regen
Im Zelt eng gelegen und Witze erzählt
Wir lachten, und sprachen, und schwiegen für Stunden
Hatten uns gefunden

Doch es gibt jene Tage, da möchte ich weinen
Und dann gibt es keinen, der mit mir geht
Denn der Weg steht in Frage und all unsere Ziel
Waren Kinderspiele, wenn der Wind sich dreht

2.

Ich hüte das Album voll blassender Bilder
Du warst damals wilder als man heute denkt
Hattest du dich versteckt, konnte niemand dich finden
Kein Traum konnte dich binden und kein Wort war verschenkt

Heute kommen Momente, da hör ich mich drängen
Da sag ich: Wir hängen zu lang schon im Raum
Wenn ich an den Weg denke, erscheint er mir endlos
Und ich frag mich, wer kennt bloß das Ziel und den Traum

3.

Ich zählte Momente, in denen wir uns sehen
Heute glaub ich wir gehen seit langem im Kreis
Entfernen uns erst – und kommen uns dann wieder entgegen
Wir trotten auf lang ausgetretnen Wegen und auf dünnem Eis

Sieh! Hier ist der Punkt, da kann ich nicht weiter
Da glaub ich, ich scheiter, nur weil es nicht geht
Meine Füße sind wund. Und würdest du sagen,
Du wolltest mich gern ein Stück weit tragen – es wäre zu spät.




Alles Anders

1.

Die Tage werden kurz, die Nächte weit, der Himmel weiß,
Die Stadt liegt stumm im klirrenden Eis

Die Dämmerung bricht herein, ich bin bei dir
und dennoch fühlst du dich verlassen, einsam und allein

Gespräche über Freiheit, frei sein für und frei sein von
Und freie Zeit exakt zerkalkuliert

Zerronnene Stunden zurückgespult
Und alle Umstände evaluiert

2.

Was ist Freiheit, fragtest du, vielleicht ist sie bloß Konstrukt
einer westlichen Vergesellschaftung?

Eine Farce, die sich gut verkaufen lässt
Auf unserm freien Markt der Selbstverwirklichung?

Warum soll Unabhängigkeit das größte Glück auf Erden sein?
Warum ist Abhängigkeit kategorisch schlecht?

Was macht den einsamen Abenteurer sexy
Und den Papa mit fünf Kindern schlicht nett?

Vielleicht ist alles anders, irgendwo auf dieser Welt
Vielleicht war alles einmal anders

3.

In deinen Kinderträumen wolltest du zum Wanderzirkus gehen
Du wolltest reisen um die ganze Welt

In fremde Gesichter anderer Menschen sehen
Überall bleiben nur solang es dir gefällt

Du sagst, tief im Innern seiest du eine Abenteurerin
Du willst nach Süden, nur nicht allein

Wie die Würfel letztlich fallen, weiß ich nicht, doch möchte ich
Auf deinen Reisen dir einst Weggefährte sein

Vielleicht ist alles anders, irgendwo auf dieser Welt
Vielleicht wird alles einmal anders

4.

Die Tage wieder kurz, die Nächte weit, der Himmel weiß,
Die Stadt liegt stumm und Dämmerung bricht herein

Wir schlendern durch Dezemberschnee,
Wir planen weder Zukunft noch Vergangenheit - heute sind wir frei?

Du lachst und tanzt und triumphierst, du lebst mit mir und ohne mich
Kannst wieder sorglos traurig sein

Du sagst, egal welcher Weg morgen der deine sei
Die Zukunft wird dich tragen – Der Winter ist vorbei

5.

Du wirst durch Regenwälder kriechen, Ozeane durchschreiten
Und den kalten Norden fliehen

Wir werden uns im Süden
Wiedersehen



Zugfahrt


1.
Ich durchstreife die Welt in ewigen Kreisen
Nehme gern Umwege und komm nicht ans Ziel
Wer weiß schon wohin die Züge heut gehen
Ich nehme den ersten, wohin werd ich sehen

2.
Ich sitze und schlafe, ich liege und wache
Sehe aus dem Fenster, zeichne Wolken und Giraffen
In eine Welt aus vergessenen Tagen
Aus uralten Träumen und offenen Fragen


Ich sehe ein Gesicht und ich weiß nicht, ist es deins
- könnt es nicht jedes andere sein?
Wer bist du? Bist du oder bist du nicht
Hab ich dich schon einmal gesehen?

3.
Ich will mit dir tanzen und springe den Gang rauf
Ich will mit dir schwimmen und ertränk mich im Klo
Ich will mit dir fliegen, streck den Kopf raus zum Fenster
Der nächste Ast trifft mich und bringt mich zur Ruh

4.
Ich erwache aus Träumen und zweifle am Wachen
Du lächelst mich an und dein Lächeln verschwimmt
Ich würd dich gern küssen, doch um uns rum stehen Leute
Die spucken mir ins Gesicht.


Ich seh dich, doch weiß nicht, ob du es bist
- könnt es nicht jede andere sein?
Wer bist du? Bist du oder bist du nicht?
Haben wir uns schon einmal gesehene?


5.
Wolkenschleier durchdringen sich am Himmel
Kurz erscheint dein Gesicht und verzerrt sich zu nichts
Der Himmel greift nach mir und zieht mich ins Blaue
Ich werde dich suchen, dort werd ich dich suchen...